|
Szenario 1: Intelligente Fabrikation und Produktwartung
Wartungstechniker Thomas ist Angestellter eines Herstellers von individuell konfigurierten Produkten. An diesem Morgen ist er unterwegs durch die modular aufgebaute Produktionsanlage, um deren reibungslose Funktion sicherzustellen. Um flexibel auf die veränderten Anforderungen des Marktes eingehen zu können, wurde vor einiger Zeit die Möglichkeit zu einer dezentralen Konfiguration und Parametrisierung der Anlage vorgesehen. Dabei werden im Gedächtnis eines Produktes hinterlegte Informationen verwendet, um eine produktbezogene Adaption der Fertigungsanlage zu ermöglichen. Da diese Art der Anlagenkonfiguration erst vor kurzer Zeit eingeführt wurde, kommt es gelegentlich noch zu Störungen bei der Interaktion der einzelnen Fertigungsmodule mit dem Produktgedächtnis von Zuliefererteilen. Während einer Routineprüfung erhielt Thomas eine Fehlermeldung aus Modul 7, in dem Komponenten verschiedener Zulieferer zusammengebaut werden. Dabei werden nicht nur die physischen Komponenten miteinander verbunden, sondern es erfolgt auch eine Integration der einzelnen Produktgedächtnisse der Ausgangskomponenten miteinander. Angekommen an Modul 7 prüft der Techniker zunächst das Produktgedächtnis des halbfertigen Produkts, bei dessen Produktion der Fehler auftrat. Mit seinem Smartphone, das sowohl über einen RFID-Reader, als auch übereine Bluetooth-Schnittstelle verfügt, erlangt er schnell Zugriff auf die entsprechenden Gedächtnisdaten. Direkt kann er erkennen, dass die Bestandteile des Produkts nicht der Auslöser der Störung sein können, da deren Gedächtnisse korrekte Werte belegen. Im nächsten Schritt lässt er sich die Produktionshistorie des halbfertigen Produkts anzeigen. Auch hier erkennt er schnell, dass alle bisherigen Produktionsschritte einwandfrei durchlaufen wurden und die Interaktion mit dem Produkt bisher in jedem Modul reibungslos verlaufen ist. Daher schaut sich Wartungstechniker Thomas die Lese-/Schreibeinheit von Modul 7, welche mit den Smart Labels der einzelnen Zuliefererprodukte interagiert, genauer an. Da diese ihrerseits über ein Produktgedächtnis verfügt, kann er sich die technische Konfiguration dieser Einheit ebenfalls mittels seines mobilen Endgeräts anzeigen lassen. Dabei stellt er fest, dass eine Wartung bereits seit einiger Zeit überfällig ist. Über sein Smartphone nimmt er die entsprechende Rekonfiguration vor, die automatisch im Produktgedächtnis der Einheit notiert wird. Nach Beheben der Störung überprüft er ein letztes Mal die korrekte Funktionsweise von Modul 7 und führt seine Routineprüfung fort. An seiner letzten Station kommt Thomas bei der Verlade- und Verpackungsstation vorbei. Hier arbeitet ein zweiarmiges Robotersystem auf einer fahrbaren Plattform. Die Sensoren am Ende der beiden Greifer lesen im Sekundentakt die individuellen Daten der Smart Labels jedes einzelnen Produkts aus und verfolgen den Weg der Produkte in die Umverpackung. Der Roboter führt dabei anhand der Produktgedächtnisse automatisch eine Endkontrolle des Herstellungsprozesses durch. Er sorgt dafür, dass Fehler schnell entdeckt werden und sortiert die fehlerhaften Pakete aus bevor sie in den Versand gehen. Durch seine beiden Arme, seine Mobilität und das genaue Wissen über die Art und den Inhalt der Pakete kann der Roboter schnell und effektiv Störungen im Ablauf erkennen, sie beseitigen und dies direkt an die Produktionssteuerung melden sowie in den Smart Labels im jeweiligen Produktetikett speichern. Währenddessen ist im Versandbereich ein weiterer Lkw des Logistikdienstleisters eingetroffen, der die fertig gestellte Ware zur Weiterverteilung in das Logistikzentrum bringen wird. Auch dort werden intelligente Robotersysteme zur automatischen Handhabung eingesetzt, die zur optimalen Steuerung auf die individuell abgespeicherten Produktdaten zurückgreifen können.
Szenario 2: Produktintelligenz für den Endverbraucher
Frau Müller feierte vor kurzem ihren neunzigsten Geburtstag. Sie lebt immer noch selbständig in ihrer eigenen Wohnung und versorgt sich selbst – obwohl sie inzwischen hin und wieder etwas vergisst. Viele Produkte mit einem digitalen Gedächtnis helfen ihr dabei ihren Alltag selbstbestimmt zu meistern. Heute muss sich Frau Müller ein wenig sputen, ihre Tochter hat sich zum Mittagessen angekündigt und Frau Müller will ihr ihre Lieblingsspeise kochen. Bei ihrem Einkauf im Supermarkt wird sie vom intelligenten Einkaufsassistenten ihres instrumentierten Einkaufswagens unterstützt, der ihr bei der Abarbeitung ihrer Einkaufsliste behilflich ist, indem er sie zu den entsprechenden Regalen navigiert. Dort angekommen nutzt der Einkaufsassistent die Information des digitalen Produktgedächtnisses, um Frau Müller auf seinem Display in extra großer Schrift über die einzelnen Produkte zu informieren. So erkennt Frau Müller neben Preis, Produkteigenschaften und Herkunftsort z.B. sofort, ob die Produkte immer richtig gelagert wurden, keine Spuren von Stoffen enthalten auf die sie allergisch reagiert und der Einkauf für das gemeinsame Mahl mit der Tochter geht leicht von der Hand. Als Frau Müller mit ihrem Einkaufswagen an der Weinabteilung vorbeikommt, weist sie die freundliche Stimme des Einkaufsassistenten auf den Wein des Monats hin, einen Champagner, der sehr gut zu dem Gericht passen würde aber noch ein wenig gekühlt werden müsste. Durch einen kurzen Blick auf ihre Uhr stellt Frau Müller fest, dass dies bis zum Mittagessen noch zu schaffen ist und entschließt sich spontan der Empfehlung zu folgen. Zuhause angekommen stellt Frau Müller ihre Einkaufstasche auf die Arbeitsplatte. Über ein an der Flasche angebrachtes Smart Label vergleicht die intelligente Küche die aktuelle Temperatur des Produkts mit der im Gedächtnis abgelegten empfohlenen Trinktemperatur und erinnert Frau Müller daran, den Champagner kühl zu stellen. Nachdem sie das Mittagessen zubereitet, gemeinsam mit ihrer Tochter den Tisch gedeckt und das Essen aufgetragen hat, drückt Frau Müller die große Extra- Taste auf ihrem Handy und fragt: „Darf ich jetzt schon ein Glas Champagner mit meiner Tochter trinken?“ Eine freundliche Stimme antwortet ihr: „Ja, die Einnahme ihrer Medikamente liegt bereits lange genug zurück.“ Für Frau Müller ist die regelmäßige und pünktliche Einnahme ihrer Medikamente wichtig. Früher vergaß sie dies so häufig, dass sie schon in ein Altersheim ziehen wollte. Heute nimmt ihr der intelligente Wochen- und Monatsblister im Zusammenspiel mit ihrem Handy diese Sorge ab, denn das Handy erinnert sie morgens vor dem Frühstück an die Medikamenteneinnahme. Die Rezepte der Ärzte für den Blister gehen an die Apotheke. Automatisch wird der Wochenblister beim Dienstleister bestellt und dort in einer intelligenten Fabrik individuell für den Kunden abgefüllt, verpackt und versendet.
|